Rede auf der Demo für Zaunöffnung Tempelhof

Rede auf der Demo für Zaunöffnung Tempelhof

Seit heute ist der ehemalige Flughafen Tempelhof seit einem Jahr geschlossen. Die Öffentlichkeit ist weiterhin ausgeschlossen und darf sich an der Zukunft von Tempelhof nicht beteiligen. Die im Herbst 2008 versprochene Öffnung für Mai 2009 soll nun im Mai 2010 stattfinden.

Eine für den 20. Juni geplante Öffnung mit einer selbstorganisierten Besetzung des Geländes wurde mit einem martialischen Polizeieinsatz verhindert. Eine Person, welche sich mit einer Plastikflasche gegen die gewalttätige Polizei wehrte, wurde zu 6 Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Eine weitere selbstorganisierte Öffnung am 26.7. wurde ebenfalls brutal durch die Polizei verhindert. Weiterhin ist das Tempelhofer Feld mit Zaun, Nato-Draht und Wachschutz mehr gesichert als zu Zeiten des Flugbetriebs.

Der Senat verspricht nun einen Park. Aber für wen? Senatorin Junge-Reyer sagt, der geplante Park wird „sauber und schön“. Mit Zaun, Wachschutz und nächtlicher Schließung soll der Park „nicht dem freien Spiel der Kräfte überlassen“ werden. Geplant ist, mit dem „Landschaftspark“ und einer internationalen Gartenausstellung, Gelände und Gebäude für das freie Spiel der Investor_innen und Spekulant_innen mit Gewerbe und Immobilien attraktiv zu machen und ihnen zu überlassen. Eine zweite Bürger_innenbefragung zur Gestaltung des Parks sollte wieder den Anwohner_innen ein Gefühl der Mitbestimmung geben. Diese Mitbestimmung ist wie die erste Befragung nur eine Farce, da der Bebauungsplan schon lange feststeht. Ob die Öffnung wie mehrmals versprochen am 1.5. oder 4.5.2010 stattfindet, bleibt abzuwarten.

Die geplante Bebauung am Columbiadamm, das so genannte Columbia-Quartier, soll nach wie vor durchgezogen werden. Die neuen Bebauungsgrenzen reichen sogar schon weit über das Flughafengelände hinaus. Die angrenzenden Bezirksverordnetenversammlungen sprachen sich gegen diese Pläne aus.

Die Schließung hat jetzt schon Auswirkungen auf die nahe liegenden Bezirke. So existiert zum Beispiel für die Karl-Marx-Straße in Neukölln ein Plan, welcher vorsieht, eine Strecke von drei Kilometern (Hermannplatz bis S-Bhf Neukölln) über die nächsten 15 Jahren mit über 100 Millionen Euro zu sanieren. Ziel ist die Verdrängung der „niveaulosen“ Läden, um Platz für gewinnorientierte Geschäfte zu schaffen. Ein anderes Projekt des Bezirks ist die Task Force Okerstraße. Dessen Ziel ist die sogennnte „Säuberung“ der Straßen. Hierbei streifen Ein-Euro-Jobber_innen mit pseudo-polizeilichen Befugnissen durch den Kiez, um trinkende Gruppen, Jugendliche und Migrant_innen aus dem Stadtbild zu stoßen. Laut Strategiepapier sollen die Kieze „sauber und sicher“ werden. Besonders ekelhaft ist aber das Aufeinanderhetzen von sozial schwächeren Gruppen. Solange Ein-Euro-Jobber die sog. Trinkergruppen verjagen oder sich arabische und Roma-Familien untereinander streiten, fällt keinem auf, dass man sich eigentlich zusammen gegen die Wurzeln der Ungerechtigkeit erheben müsste, die in der herrschenden Politik zu finden sind. Das Ziel von Senat und Bezirk ist also, mit „sauberen und sicheren“ Bezirken Investor_innen anzulocken. Dies hätte zur Folge, dass die Miet- und Lebenskosten drastisch steigen. Ein Tempelhofer Feld, wo sich alle Menschen gleichberechtigt beteiligen, würde den Interessen des Senats widersprechen.

Es regt sich jedoch Widerstand in den angrenzenden Kiezen. Nach ersten Plakatieraktionen gegen die Task Force Okerstraße folgte eine Mieter_innen Versammlung mit mindestens 50 Personen. Außerdem hat eine Gruppe „wütende Anwohner_innen“ den Zaun um Tempelhof, in der Nacht zum 13. Oktober, regelrecht auf 4m „niedergerissen“. Ihr Ziel war die Öffnung des Geländes für alle.

Dies alles sind notwendige Schritte gegen eine kapitalistische Stadtumstrukturierung. Wir alle müssen uns gegen steigende Mieten, ausufernde Nebenkosten und Verdrängung wehren.
Gegen eine neoliberale Stadtaufwertung!
Für selbstorganisierte Freiräume!
Für eine gleichberechtigte Mitbestimmung!
Squat Tempelhof!
Tempelhof für Alle!





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