Archiv für November 2009

Farce Bürgerbeteiligung

Wie die angebliche Bürgerbeteiligung bei der Nachnutzung des ehemaligen Flughafens Tempelhof praktisch aussieht , zeigt beispielhaft ein Artikel in der heutigen Ausgabe der Berliner Morgenpost unter dem Titel „Bürgerbeteiligung ist eine Farce“ .

Auf einer Pressekonferenz der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am 18.11.2009 Ergebnisse der Bürgerbeteiligung Tempelhofer Feld wurde u.a. als ein konkretes Projekt die Idee eines Jugendspielplatzes präsentiert, der ab Mai 2010 verwirklicht werden soll. Diese Idee eines Jugendspielplatzes für Kinder aus Problemkiezen war der zweite Sieger einer Online-Befragung im Jahre 2007. Der Urheber dieses Vorschlags hat allerdings seit damals nichts mehr von der Senatsverwaltung gehört und erst jetzt aus der Presse davon erfahren.

Aus der Berliner Morgenpost:

„Robert Merk nennt das Verfahren eine „reine Farce“. Da werde der Öffentlichkeit mal wieder zur Beruhigung ein Brocken hingeworfen – so wie damals, als es vom Senat hieß, das Tempelhofer Feld werde ganz schnell nach der Schließung des Flughafens für alle geöffnet. „Letztlich erweist sich die Ankündigung dann als heiße Luft“, sagt Merk. Mit ihm jedenfalls habe die Senatsbaudirektorin vor ihrer Ankündigung, den Spielplatz mit Eröffnung des Tempelhofer Feldes im Mai an der Oderstraße in Neukölln zu verwirklichen, kein Wort gewechselt.
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Studienprojekt „Grand Opening Tempelhofer Feld“ beendet

An der TU Berlin fand 2008/2009 über zwei Semester ein Studienprojekt statt, das die „Öffnung“ des ehemaligen Flughafens mit eigenen Ideen und Vorschlägen begleiten sollte. In diesem Rahmen wurde auch ein Blog Tempelhofdebatte eingerichtet. Wir haben über dieses Projekt hier Tempelhofer Feld offen für Studenten berichtet.
Nun wird ein lesenswerter Endbericht vorgelegt Projektergebnisse „Grand Opening“ .
In der Einleitung nimmt der Leiter des Projekts Nikolai Roskamm auch Stellung zur Öffnungsdebatte:

„Der Projekttitel „Grand Opening“ wurde dabei im Verlauf unserer Projektarbeit transformiert. Da die eigentliche Öffnung des Feldes bisher nicht stattgefunden hat und auch die aktuellen diesbezüglichen Anzeichen nicht unbedingt zuversichtlich stimmen, wurde der Titel „Grand Opening“ zur Forderung: Nur die Öffnung, nur das Zulassen auch von ungeordneten und ungeplanten Nutzungen, so unser Resümee, wird das Tempelhofer Feld zu einem lebendigen Stück Stadt werden lassen. Unserer Meinung nach fehlt der komplexen Stadtentwicklungsaufgabe, die Berlin noch viele Jahre beschäftigen werden wird, genau diese Öffnung, die Öffnung des Zauns und damit des Feldes für die Menschen, die Öffnung der Diskussion in die angrenzenden Quartiere, die Eröffnung einer entwurflichen Annäherung an das Feld aus der Neuköllner Perspektive, die Eröffnung einer Diskussion über neue und andere planungsrechtliche Instrumente, die Öffnung des stadtplanerischen Top down-Ansatzes für eine bewohnerorientierte Bottom up-Strategie.“

Auf die Strasse gegen Vertreibung

Aufruf zu Protesten gegen die Räumung des Hausprojektes Brunnen 183

Räumung Brunnenstraße 183 in Berlin
Demo Mittwoch, 25.11. Kollwitzplatz um 20 Uhr und Donnerstag, 26.11. um 19 Uhr Oranienplatz
Pünktlich!!!

Dienstag Nachmittag begann die seit längerem geplante und befürchtete Räumung durch die
Polizei des Wohnprojektes Brunnenstraße 183 in Berlin, der auch einen Umsonstladen in
den unteren Räumen enthielt sowie einen unkommerziellen Veranstaltungsraum mit
Volksküche.
Das seit weit über einem Jahrzehnt bestehende Projekt gab Menschen aus vielen
verschiedenen Ländern und eines sehr breitgefächerten Alters ein zuhause. Die
„Brunnen183“ sahen sich als Wohn-, Kunst- und Sozialprojekt.
Bereits 2006 sollte das Haus zwangsversteigert werden. Die „Brunnen183“ hatte bis zum
Gerichtstermin deutlich mehr Geld gesammelt, als der Verkehrswert betrug, doch der Termin
wurde abgesagt und das Haus bereits im Vorfeld an einen Investor verkauft.
Der neue Hausbesitzer Manfred Kronawitter, ein Arzt aus Passau, gibt laut Presseberichten
dem Senat der Stadt Berlin und vor allem dem amtsinhabenden Bürgermeister die Schuld an
der Räumung. Er habe wohl bis zuletzt das Angebot aufrecht erhalten, ein Ersatzgrundstück
zu kaufen. Doch der Senat entschied sich dagegen, verkaufte das Ersatzobjekt lieber an
Modedesingnerin Jette Joop – denn wenns um Profit geht setzt der Senat eben lieber
Menschen gewaltsam auf die Strasse – und räumte nun mit einem Großaufgebot von ca. 600
Einsatzkräften der Polizei das Haus. Angeblich sollen sich nur wenige Personen in dem
Haus aufgehalten haben.
Aufgrund der Annahme seitens der Polizei, dass Unterstützer organisiert werden, wurde der
Bereich um die Brunnenstraße 183 weiträumig abgesperrt.
Was nun aus dem Haus wird, bleibt erstmal im dunklen. Die Fenster wurden bereits heraus
genommen und eine Firma (Sitex) riegelt das Haus ab.
Was sich mit der Brunnenstrasse 183 ereignete passiert täglich überall. Die Mieten steigen in
fast allen Innnenbezirken, Menschen die sich das nicht mehr leisten können, werden aus
ihren Wohnungen vertrieben oder ebenso still und doch gewaltsam geräumt.
Also seid solidarisch und laßt uns zeigen, was wir von der kapitalistischen
Stadtumstrukturierung des rot-roten Senats halten! Zeigen wir, was wir davon halten, dass
das Profitinteresse einzelner höher bewertet wird als das kollektive Interesse von vielen!
Kommt zur Demo, organisiert euch, wehrt euch, bestimmt selbst wo und wie ihr leben
wollt!

Wir bleiben Alle! – Kampagne gegen Gentrifizierung

IGA 2017 Pressekonferenz

Am 23. 11. 2009 informierte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über die Planungen für die Internationale Gartenbauausstellung, die 2017 auf dem Tempelhofer Feld stattfinden soll. Mehr als 50 Millionen Euro soll der Spass kosten, mit Schmuckbeeten und Staudengarten, Spielwiesen und Picknickflächen. Die eigentliche IGA soll dann 170 Tage dauern und 16 Euro Eintritt kosten. Damit dürfte auch klar sein, welches Publikum dort erwünscht ist. Als Ziel der IGA formulierte Senatorin Junge-Reyer:
„Die Entwicklung des Tempelhofer Feldes bekommt damit einen Schub, der nicht nur dem Projekt Tempelhof sondern der ganzen Stadt zu Gute kommt. Mit der Durchführung der IGA 2017 verfolgt Berlin das stadtentwicklungspolitische Ziel, die Parklandschaft Tempelhofer Feld als neuen öffentlichen Freiraum zu entwickeln und dauerhaft zu etablieren.“
Es geht gezielt um Aufwertung und Verwertbarmachung für Investoren, die die neuen Stadtquartiere Columbia-Quartier und Stadtquartier Neukölln errichten sollen.
Bei dem Plan für das IGA-Gelände fällt auf, dass am nordöstlichen Rand eine Verbindung zur Hasenheide gezogen werden soll. Dort befindet sich derzeit allerdings die Liegewiese des Freibades am Columbiadamm, mitten im geplanten IGA-Gebiet. Wie diese Öffnung zur Hasenheide gehen soll, ohne das Freibad zu beeinträchtigen, konnte nicht erklärt werden.

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IGA 2017

Nun hat es der Berliner Senat schon vorzeitig geschafft, sich die Internationale Gartenbauausstellung 2017 zu sichern. Kein Wunder, wenn man einziger Bewerber ist. Nun darf eine Menge Geld, vorläufig etwa 50 Millionen Euro, ausgegeben werden, die man sich sich später natürlich über Eintrittsgelder wieder zurückholen will. Etwa 100 Hektar der ganzen Fläche soll für die IGA zu Verfügung stehen, genau der Bereich oberhalb der nördlichen Landebahn und vor dem geplanten Columbia-Quartier. Denn dies ist der Hauptzweck der IGA: Mit der Gartenbauausstellung soll das Gelände attraktiv gemacht werden für die zukünftigen Investoren, die für die Bebauung des Columbia-Quartiers gebraucht werden.
Das IGA-Konzept der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung:

IGA-Konzept

Weitere Infos in den Presseartikeln auf unserer Presseschau .

Einen Überblick liefert der Artikel der Berliner Zeitung vom 19.11.2009 Ein Park fürs 21. Jahrhundert und der TAZ-Artikel Senat sät blühende Landschaft .
Die Pressemitteilung der Senatsverwaltung Die IGA 2017 kommt nach Berlin .




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