Offene Brache statt Hochsicherheitstrakt

Für eine Denkpause zur Entwicklung einer sozialen Nutzung des Flughafengeländes

Von der Initiative „Tempelhof für Alle“

Die Initiative „Tempelhof für Alle“ entstand im August 2008 nach einem Treffen anlässlich der anstehenden Schließung des Flughafens, zu dem die „Wir bleiben Alle“-Kampagne eingeladen hatte. Überwiegend Menschen aus dem Schillerkiez,viele im Info- und Stadtteilladen Lunte aktiv, fanden sich zusammen. Mittlerweile ist die Initiative zu einem breiten und lockeren Zusammenhang gewachsen.

Die Initiative „Tempelhof für Alle“ setzt sich für die Öffnung des Areals des ehemaligen Flughafens Tempelhof ein. Sie will eine soziale Nutzung des Geländes statt einer Baufläche für Investoren. Wir fordern: Keine Bebauung, Öffnung der Zäune, keine Verdrängung und keine kommerzielle Nutzungen. Wir brauchen keinen größenwahnsinnigen Plan für das Gelände. Es wird nicht die tolle Idee geben, die große Vision, von der alle überzeugt sind. Wir brauchen Zeit, eine Denkpause von mindestens zehn Jahren und Zutritt auf das Gelände, damit sich Ideen entwickeln können. Warum keine Brache, warum nicht eine Leere zulassen und Nutzungen sich entwickeln lassen, von unten und nicht auf Basis von oben vorgegebener Richtlinien? Es ist vieles möglich und kann sich gegenseitig ergänzen.

Für die Öffentlichkeitsarbeit wurde die Website www.tfa.blogsport.de eingerichtet, die mit aktuellen Beiträgen, Materialsammlungen und einer Presseschau informiert. An einer Demonstration am letzten Tag des Flugbetriebs am 30. Oktober 2008 beteiligten sich trotz sehr schlechten Wetters etwa 120 Leute. Danach fanden Flugblatt- und Transparentaktionen sowie Veranstaltungen statt. Anfang 2009 begann eine Reihe von Zaunspaziergängen und historischen Führungenzur Nazi-Vergangenheit des Flughafens. Dabei gab es viel Zuspruch von Passanten.

Ab März beteiligten wir uns an der Kampagne „Squat Tempelhof“, die mit einer angekündigten Massenbesetzung am 20. Juni 2009 das Thema wieder in die Öffentlichkeit brachte. Mit einem martialischen Polizeiaufgebot, das hohe Kosten verursachte, wurde eine Besetzung verhindert. Seitdem wird die leer stehende Wiese weiter wie ein Hochsicherheitstrakt bewacht.

Die Angst des Senats vor den Anwohnern muss groß sein, wenn eine Öffnung des Zauns so angestrengt verhindert wird und der Zugang für alle immer weiter in die Ferne rückt. Sie hätten Angst vor Zwischennutzungen, die sie nicht wieder los würden, begründen Klaus Wowereit und Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (beide SPD) die Absperrung des Geländes. Denn oberstes Ziel des Senats ist nach wie vor die Vermarktung und Privatisierung des Geländes, auch wenn die Finanz- und Wirtschaftskrise dazwischen gekommen ist.

Seit am 26. Juli eine kurzzeitige Besetzung des Ex-Flughafens gelang, schikaniert die Polizei nun all jene mit Platzverweisen, die sich den Sonntagnachmittag als Picknicktag am Tempelhofer Feld auserkoren haben. Aber deshalb werden die Proteste nicht aufhören.

Am 31. Oktober, ein Jahr nach der Schließung, wird es eine Demonstration geben: Hermannplatz, 17 Uhr. Wir trauen den Öffnungsversprechen des Senats nicht und wollen mit vielen anderen für die sofortige Öffnung des Geländes eintreten – ohne Zaun und Wachschutz. Denn: Die Stadt gehört uns allen.

Weitere Infos: www.tfa.blogsport.de

Ein Beitrag für die Oktober-Ausgabe des Mieterecho .





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