Archiv für August 2009

Knarre ziehen – kein Problem

Am 20. Juni 2009, dem Tag der versuchten Massenbesetzung des ehemaligen Flughafen Tempelhof, kam es zu einem unglaublichen Vorfall, der einigen Wirbel in den Medien machte. Ein Zivilpolizist zog seine Dienstwaffe und richtete sie auf einen Menschen, der sich dem Zaun näherte. Die Berliner Morgenpost dokumentierte dies in dem Artikel Kampf um einen Zaun – Das war der Tag im Live-Ticker . Die Kampagne „Squat Tempelhof“ schrieb in einer Pressemitteilung: Squat Tempelhof verurteilt Dienstwaffeneinsatz der Polizei noch am gleichen Tag:
„Wir verurteilen aufs schärfste dieses Vorgehen der Polizei als völlig inakzeptabel“
Das Foto ging dann zwar durch alle Medien, aber eine Skandalisierung dieses Vorgehens erfolgte nicht. Immerhin hat sich die Tageszeitung „Neues Deutschland“ die Mühe gemacht , nochmal bei der Polizei nachzuhaken und dies in einem Artikel der heutigen Ausgabe dokumentiert. In einer Antwort der Polizei auf eine Anfrage des ND heisst es lapidar:
„Die Untersuchung des Sachverhalts ergab, dass das Verhalten des Polizeibeamten nicht zu beanstanden ist.“
Den im Artikel zitierten Äusserungen eines Sprechers von „Squat Tempelhof“ können wir uns da nur anschliessen.
Der Artikel aus „Neues Deutschland“ von 19.8.2009: Weder Django noch Demo-Rambo

Kleingartenkolonie gegen Columbia-Quartier

Von dem geplanten Columbia-Quartier auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen ist auch die Kleingartenkolonie „Kolonie am Flughafen“ am Columbiadamm bedroht. Die Senatsverwaltung hat ein Flächennutzungsänderungsverfahren eingeleitet, dass erhebliche Konsequenzen hat. Danach soll die bisherige Nutzung als „Grün- und Erholungsfläche“ zum „Bauerwartungsland“ geändert werden. Der Vorstand der Kolonie hat im Juli 2009 eine Stellungnahme zur geplanten Änderung des Flächennutzungsplans abgegeben.

Mittlerweile hat die Kolonie eine eigene Website , auf der die Erklärung Unsere Gärten sind gefährdet nachgelesen werden kann.

Bilder: Polizei agitiert

Etwas spät: zwei schöne Fotos von der versuchten Besetzung des ehemaligen Flughafens Tempelhof am 20.6.2009 Squat Tempelhof , die wir gefunden haben:

Freiheit auf Polizei-Wanne

Auf ins Gruene

Kinderspielplatz Tempelhof

Immer noch ist das Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof mit seinen Wiesen für fast alle unzugänglich. Vorallem Kinder können dort nicht rumtoben. Es sei denn, der Papa ist beim Wachschutz und zeigt dem Nachwuchs mal, wo er so arbeitet. Das folgende Foto entstand am Nachmittag des 4. August 2009 am Zauntor Oderstrasse/ Ecke Herrfurthstrasse. Die Qualität ist nicht so gut, weil der Fotograf lieber die Flucht ergriff, als der Wachschützer mit der Polizei drohte, um die Herausgabe der Fotos zu erzwingen.

Wachschutz mit Kind auf THF

Repression,Platzverweise als Dauerzustand

Offensichtlich ist die Berliner Polizei ziemlich sauer darüber, dass es vorletzten Sonntag(26.7.) trotz Polizeipräsenz einem Dutzend AktivistInnen gelungen ist, den Zaun am ehemaligen Flughafen Tempelhof kurzzeitig zu überwinden. Deshalb wird ein grosser Aufwand betrieben, um den Bereich Oderstrasse und Sitzrondell am Südostende des Geländes von picknickenden Menschen frei zu halten. Am 26. Juli wurde von Polizisten noch erklärt, es wäre kein Problem, am Rondell ein Picknick abzuhalten. Es seien nur keine Transparente erlaubt und am Zaun dürfe nicht gerüttelt werden.
Am gestrigen Sonntag mussten drei Menschen andere Erfahrungen machen, wie wir erfuhren. Schon bei ihrer Ankunft stand ein Mannschaftswagen mit laufendem Motor bereit, in der Oderstrasse fuhr ein weiterer und auf dem Gelände waren auch zwei unterwegs, einer mit Hunden. Kaum hatten es sich die drei im Schatten nahe des Jugendzentrums Yo22 bequem gemacht und angefangen Kaffee zu kochen, eilten auch schon einige Beamte herbei und verlangten die Personalausweise. Die Vorgehensweise war deutlich aggressiver als den Sonntag davor. Als Begründung wurde die Besetzung vom 26.7. angeführt und dass es Hinweise gäbe, dass wieder sowas anstünde. Rucksäcke und Fahradanhänger wurden nach Gegenständen durchsucht, mit denen der Zaun überstiegen werden könne. Inzwischen war ein weiterer Passant hinzugekommen, der sich auch diesen Massnahmen unterwerfen musste. Nach 20 Minuten bekamen die vier die Ausweise zurück und einen qualifizierten Platzverweis dazu und sie mussten den Ort verlassen.
In der Oderstrasse gab es weiter Polizeistreifen zu Fuss innerhalb und ausserhalb des Zaunes. Am Schwimmbad Columbiadamm standen am Nachmittag auch vier Mannschaftswagen in Bereitschaft.

Anscheinend wird jetzt voll auf Repression und Abschreckung gesetzt, um Menschen das Picknicken am Zaun zu vermiesen. Mit der Wischi-Waschi-Begründung „Verdacht auf Zaunüberwindung“ kann die Polizei nun jeden Sonntag ankommen und willkürlich Leute vertreiben. Wir werden nicht hinnehmen, dass Polizeibeamte nach Lust und Laune darüber entscheiden, wer sich in der Nähe des Zaunes am Tempelhofer Feld aufhalten darf oder nicht. Dabei ist die Polizei auch nur ausführendes Organ einer unsozialen Stadtpolitik des Berliner Senats. Der glaubt, sich unbequemer politischer Proteste durch Polizeischikanen gegen Anwohner entledigen zu können. Unser Ziel bleibt weiterhin:
Tempelhof aufmachen – für Alle!
Die Stadt gehört uns Allen!




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