Archiv für April 2009

Ausstellung zu Neukölln

Ausstellung zu Neukölln

Warum diese Ausstellung?

Dass Neukölln Schlagzeilen macht, ist nichts Neues. Schon lange gilt der Bezirk als Problemviertel schlechthin, neuerdings wird er allerdings auch als Szeneviertel gehandelt. Droht in Neukölln eine Gentrifizierung wie im Prenzlauer Berg, also eine Aufwertung des Kiezes, infolge derer die ansässige Bevölkerung nach und nach durch zahlungskräftigere Mieter_innen verdrängt wird?
Um diese Frage zu beantworten, haben wir recherchiert und diskutiert. Unsere Ergebnisse möchten wir euch in einer Ausstellung präsentieren. Uns ist klar geworden, dass Mietsteigerungen und die dazu gehörigen Verdrängungseffekte Folgen sind, denen eine längere Entwicklung vorausgeht. Wie die Erfahrungen aus anderen Stadtteilen zeigen, werden Gentrifizierungsprozesse immer auch von der Politik mitangestossen.

Vier solcher stadtpolitischer Projekte haben wir uns genauer angeschaut:
Die Aktion!Karl-Marx-Straße ist ein Beispiel für den Versuch, Wirtschaft, Handel und Dienstleistungen zu stärken, um Neukölln für einkommensstarke Käufer_innen interessant zu machen.
Mit dem geplanten Campus Rütli soll das Image verbessert und der „Problembezirk“ zum Aushängeschild für „multikulturelles Lernen“ werden.
Die Umgestaltung der Kindl-Brauerei zielt darauf, den Standortfaktor „Kultur“ auszubauen.
Die Bebauung des Flughafen Tempelhof ist ein Großprojekt, das auf die ganze Stadt wirken und für Neukölln Aufwertungsprozesse mit sich bringen wird.

Wir finden es wichtig zu fragen, welche Auswirkungen diese Projekte haben, wem sie nützen und was sie für die Anwohner_innen bedeuten.
Kiezgruppe Neukölln

Bilder: Arbeit am Zaun THF

Reparaturarbeiten am Zaun in der Oderstrasse am Ex-Flughafen Tempelhof am vergangenen Freitag

Arbeiten am Zaun

Spaziergänge am Tempelhofer Feld

Das Wetter wird wieder besser und die Sonne scheint immer mehr. Und zwischen Tempelhof und Neukölln lockt der ehemalige Flughafen Tempelhof mit einem grossen Gelände, das seiner Nutzung harrt. Vor einem Jahr versprachen die Regierenden und namentlich die SPD auf diversen Flugblättern:
Die Zukunft des Tempelhofer Feldes: Tempelhof aufmachen – für alle
Seit fast 6 Monaten ist der Flugbetrieb endlich beendet und von einem aufgemachten Tempelhofer Feld kann keine Rede sein. Immer noch versperren ein riesiger Zaun und Wachschutz den Zugang zum Gelände. Das wollen wir nicht länger hinehmen und fordern die umgehende Öffnung des Geländes.
Wir laden Alle ein, sich das Tempelhofer Feld anzusehen und die schöne Aussicht zu geniessen auf selbstorganisierten Spaziergängen entlang des Zaunes in der Oderstrasse in Neukölln. Es gibt viele Aktivitäten, die machbar sind: Picknick, Kaffee und Kuchen, Lesungen, Musik, Kunst am Zaun, Foto- und Film-Sessions, Spiele verschiedenster Art usw. Es hängt von Euch ab, was passiert. Nutzt die Möglichkeiten!
Die Stadt gehört uns Allen!

Sonntags, ab 14 Uhr Oderstrasse / Neukölln
U-Boddinstrasse

Sportler, Sponsoren und Farbe

Wir wollen auf zwei interessante Presseartikel hinweisen:

1) In der taz von heute berichtet ein Artikel Sportler lieben Flughäfen über Proteste von Landessportbund und Sportverein gegen den Verlust von Sportanlagen durch das geplante Columbia-Quartier.
Daraus zwei Zitate:
„Der Landessportbund befürchtet, dass mit der Bebauung des ehemaligen Flughafens Tempelhof auch die benachbarten Sportanlagen wegfallen.“
„Wir haben Angst um unsere Sportanlagen am Columbiadamm, die in elf der zwölf Entwürfe einfach weggeplant werden“, sagt der Vereinsvorsitzende der TG Berlin 1848, Udo Haberer.

2) Aus der Berliner Morgenpost erfahren wir, dass Wowereit Sponsoren sucht für die Luftbrücken-Gedenkshow am 12.Mai 2009:
Luftbrücke: Sponsoren für Feier gesucht .

In dem Artikel wird auch darüber informiert, dass der Tag der Offenen Tür am 12.5. auf dem Flugvorfeld stattfinden soll. Das heisst wohl, die Bürger dürfen sich auf dem Betonfeld tummeln, sich an paar Buden ergötzen und durch den neuen weissen Gitterzaun auf das Freigelände glotzen. Und dann sollen Rosinenbomber das Vorfeld überfliegen und Süssigkeiten abwerfen und im Gebäude gibts die exklusive Show für Promis und Sponsoren. Toll!

An Ostern zerplatzten wohl Ostereier auf dem Fahrweg hinterm Zaun an der Oderstrasse/Herrfurthstrasse.
geplatzte Ostereier

Bundeswehr baut auf

In den Online-Nachrichten des RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) erschien heute die Meldung Bundeswehr baut auf dem Flughafen Tempelhof . Die Bundeswehr will rund 4,5 Millionen Euro investieren und ein Dienst- und Versorgungsgebäude sowie ein Wachgebäude für die Luftwaffe neben dem Radarturm errichten und im nächsten Jahr fertigstellen.
Diese Pläne sind nicht neu und wurden in den Auslobungsunterlagen für den Wettbewerb Columbiaquartier im September 2008 schon aufgeführt:

„Um den Radarturm wird nach Öffnung des Flughafengeländes eine 80 × 80 m große Sicherheitszone eingerichtet, die von einem 2 m hohen Zaun mit Übersteigschutz und Video-Überwachung eingegrenzt wird. Auf dem eingezäunten Grundstück wird von der Bundeswehr ein Wachgebäude sowie ein Dienstleistungs- und Versorgungsgebäude errichtet.
Die Bundeswehr plant, eine ca. 80 × 80 m große Fläche um den Radarturm herum zu nutzen. Die Fläche wird von einem Sicherheitszaun umgrenzt und erhält eine eigene Zufahrt vom Columbiadamm. Die Umbaumaßnahmen sollen im November 2008 beginnen.
Zur Kontrolle des Sicherheitsbereichs ist eine ca. 6 m breite, sichtfreie Zone um die Anlage einzuhalten. Über die Möglichkeit, die Zufahrt vom Columbiadamm öffentlich zu nutzen, ist noch nicht abschließend entschieden worden.
Solange der Radarturm in seiner Funktion erhalten bleibt, ist im 100 m- Schutzbereich A für die Errichtung, Änderung oder Beseitigung baulicher Anlagen die Genehmigung der Wehrbereichsverwaltung Ost erforderlich. Für das Columbia-Quartier wie für das gesamte Wettbewerbsgebiet gilt zudem, dass in der Schutzzone C bauliche Anlagen ab einer Höhe von 91,52 m ü.NN genehmigungspfl ichtig sind. Dies bedeutet, dass im Columbia-Quartier bei einer Ausgangshöhe von 45 m ü.NN für Neubebauungen ab einer Höhe von rd. 46,50 m die Genehmigung der Wehrbereichsverwaltung Ost eingeholt werden muss.“

Statt November 2008 soll nun also jetzt mit den Bauaktivitäten begonnen werden. Wie dem letzen Absatz zu entnehmen ist, hat die Bundeswehr auch bei der Nachnutzung des Ex-Flughafens was zu sagen.




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