Archiv für März 2009

Plan für die Öffnung Tempelhofer Feld

Seit längerem gibt es eine Ideenwerkstatt Tempelhof, die im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin ein Konzept zur integrierten Stadtentwicklung zur Aktivierung des Tempelhofer Felds erstellt. Dort arbeiten das Raumlabor Berlin, Studio UC K. Overmeyer und Michael Braum & Partner zusammen. Mit Hilfe von Pioniernutzungen und kulturellen Initiativen soll dieses Konzept ein „strategischer Ansatz“ sein, „der qualitatives Wachstum auf unterschiedlichen,parallel zu entwickelnden Planungsebenen generiert.“ So soll eine fortlaufende , sich auch ändernde Entwicklung realisiert werden, ein „Dynamischer Masterplan“.

„Der Aktivierungsphase, dem Zeitraum zwischen der Beendigung der Flughafennutzung und dem Beginn der zukünftigen Nutzung, kommt in dieser Hinsicht eine besondere Bedeutung zu: Der entstehende „Assoziationsleerraum“ des Images von Tempelhof muss neu besetzt und ein eigenständiges, neues Branding gewagt und entwickelt werden. Neben der Imagebildung werden in der Aktivierungsphase aber auch wichtige räumliche Entscheidungen getroffen:vorhandene Räume werden für neue Nutzungen entdeckt, öffentliche Orte geschaffen und Identitäten für die langfristige Entwicklung gebildet.“

So wurde ein Phasenmodell entwickelt:

Phase 1 Nov. 2008 – Mai 2009
Das Feld bleibt geschlossen
Phase 2 Mai 2009 –
Kontrollierte Öffnung des Tempelhofer Feldes
Phase 3 Mai 2009 –
Teilareale – erste Pioniere
Phase 4 Zeitpunkt nicht definiert
Öffnung des gesamten Areals

Aufbauend auf einer kontrollierten Öffnung wird „von einem gesteuerten und schrittweise aufbauenden Entwicklungs- und Vermarktungsprozess ausgegangen“.

Weitere Informationen finden sich in dem Text vom Raumlabor Aktivierende Stadtentwicklung / Flughafen Tempelhof , dem auch die Zitate entnommen wurden. Dort gibt es die Konzeptpläne (Stand 15.12.2008 ) zum Download, im .pdf-Format und zwischen 3 und 5 MB gross :
- Konzept für die Eröffnung „Tempelfeld“ mit der zentralen Schlüsselbotschaft des neugewonnenen Zugangs zum Gelände
- Erkundungsphase mit Programmschienen wie Kultur, Sozial und Partizipativ, Freizeit und Erholung, Kommerzielle Events und der Errichtung von Info- und Servicepoints
- Pionier- und Zwischennnutzungen als Katalysatoren auf vier Bereichen mit verschiedenen Schwerpunkten
- Aktivierung des Rings als Hauptschlagader mit Anbindung an die Umgebung und Schaffung besonderer Orte
- Temporale als „kreativer Ausnahmezustand“, ein kulturelles Grosseignis ab 2010 alle 2 Jahre

Ob diese Planungen tatsächlich vom Senat so umgesetzt werden oder nur eine Spielwiese für die Planerbüros waren, ist allerdings offen.

Neukölln-Konferenz und Tempelhofer Feld

Am 27. Februar 2009 veranstalteten die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus eine Konferenz zu Strategien für Neukölln . Dort sollte diskutiert werden, „wie die Anstrengungen zur Stabilisierung von Nord-Neukölln verstärkt werden können“ und das alles in Verbindung mit den Chancen, die mit einer Nutzung des ehemaligen Flughafen Tempelhof möglich sind. Es trafen sich über 100 Menschen, überwiegend Parteimitglieder,Pädagogen,Studenten,Projekte- und Sozialmanager, die Mittelschicht. Sogenannte normale Anwohner und Migranten waren kaum vertreten. Also eine Versammlung einer der zahlreichen Parallelgesellschaften, die in diesem Bezirk existieren. Die Vertreter von etwa 10 Prozent der Neuköllner Bevölkerung redeten darüber, was alle Neuköllner brauchen und und was besonders für Nord-Neukölln getan werden soll.
Dazu gab es mehrere Fachforen. Über das Forum „Soziale Stadt und mehr“ informiert ein lesenswerter Artikel im Rixdorfer Stadtschreiber Blog Strategien für Neukölln – wo denn? .

Das Fachforum C hatte zum Thema „Neukölln und das Tempelhofer Feld – Standort für einen zweiten Bildungscampus“. Dort diskutierten Gabriele Vonnekold (Jugendstadträtin Neukölln), Wolfgang Borowski (Amtsleiter für Planen, Bauordnung und Vermessen, Neukölln), Uwe Hammer (Präsidium Landessportbund) und Franziska Eichstädt-Bohlig (MdA, Fraktionsvorsitzende der Grünen). Alle sind sich einig, dass ein baldiger Zugang zu den vorhandenen Sportanlagen auf dem Tempelhofer Feld gewährt werden muss. Besonders der Vertreter des Landessportbundes fordert eine sofortige Nutzung des Geländes für Sport und Freizeit und spricht sich gegen eine Bebauung aus. Die beiden am Columbiadamm gelegenen Softballfelder könnten sofort vom benachbarten TIB (Turngemeinde in Berlin 1848 e.V.) genutzt werden. Die Senatsverwaltung verweigert dies aber mit irgendwelchen Sicherheitsbedenken. Herr Borowski von der Bezirksverwaltung und auch Frau Vonnekold wandten sich vehement gegen eine Bebauung am Columbiadamm (das geplante Columbia-Quartier), eine Bebauung, die nicht mal die Errichtung von Infrastruktur wie Schulen und Kitas vorsieht.
Die Grünen sprachen von fehlender Bildungs-Infrastruktur in Nord-Neukölln und hätten gerne eine Art Campus Rütli auf dem Tempelhofer Feld, was laut Bezirksamt bis zur Realisierung etwa 10 Jahre dauern würde. Da ist es doch sinnvoller, Geld in die vorhandenen Einrichtungen zu stecken, statt neue Vorzeige-Projekte zu planen. Bei dem ganzen Gerede um mehr Bildung als dem Allheilmittel wird aber kein Wort darüber verschwendet, was für eine Bildung das sein soll und was die ganze Bildung nützt, wenn es keine Jobs gibt.
Diskussionsteilnehmer forderten einen Naturerlebnisraum und allgemein ein Moratorium statt schnellem Beplanen der Fläche. Eine schnelle Öffnung der Zäune verursacht Ängste bei Einigen, die dann eine Müllkippe und wer weiss sonstwas befürchten. Das dürfe nur kontrolliert und unter Verantwortung von irgendwem geschehen.
Leider war kein Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung anwesend, den man konkret befragen konnte. Die Bezirke haben nämlich bei den Planungen für das Gelände kaum was zu sagen. Dennoch forderte Herr Hammer vom Landessportbund die Bezirke auf, sich mehr einzumischen in den Senatsplanungen.
Abschliessend forderte Frau Eichstädt-Bohlig eine weitere Veranstaltung zu diesem Thema mit den Anwohnern und der Senatsverwaltung. Bleibt die Frage, wer die organisieren soll, denn Leute der Senatsverwaltung dürfen angeblich nicht auf Veranstaltungen von Parteien auftreten.




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