Archiv für Januar 2009

Virtuelle Planspiele Tempelhofer Feld

Der Mieterrat Chamissoplatz e.V. hat zum Thema Columbia-Quartier eine Presseerklärung zum Ideenwettbewerb Columbiaquartier veröffentlicht. In diesem Text vom 26.Januar 2009 wenden sie sich gegen die an den Interessen der Bürger vorbei gehende Planung und fordern auch den sofortigen Stopp der Planung, Verzicht auf Bebauung und keine neuen Quartier, die niemand braucht.
Wir zitieren den Anfang:
„Virtuelle Planspiele an Bürgerinteressen vorbei!

So nicht, Frau Senatsbaudirektorin Regula Lüscher! Das brachten die ca. 500 Teilnehmer der Veranstaltung anlässlich des „Ideenwettbewerbs” zur Entwicklung des Gebiets nördlich und südlich vom Columbiadamm unmissverständlich zum Ausdruck. Die Bürger kritisierten, dass der Senat an den Bürgern vorbei in der Fachöffentlichkeit einen Ideenwettbewerb inszeniert, dessen „Ideen” in der Konsequenz eine Verdrängung bisherige Nutzer und bestehender Nutzungsstrukturen im Gebiet zur Folge haben.

Es herrschte Unverständnis darüber, warum die Senatsverwaltung an diesem Ort mit Wettbewerben beginnt, wo erst einmal Bestehendes und Bewährtes vernichtet wird, um dann – ohne dass Planungsdruck vorhanden ist – Ideen über ein neues Quartier zu veranlassen.“

Der Rest der Presseerklärung zum Ideenwettbewerb Columbiaquartier .

Tag der Offenen Tür?

Am Dienstag,den 12. Mai 2009 soll jetzt ein Tag der Offenen Tür auf dem ehemaligen Flughafen stattfinden. So stand es am 22.1. 2009 in einer kurzen Notiz in der Berliner Zeitung ( siehe auch unseren Pressespiegel ). Der Anlass ist der sechzigste Jahrestag des Endes der Berliner Blockade, der gleichzeitig Ursache für eine Ausstellung des Allierten-Museums im Flughafengebäude ist.
Leider finden sich nirgendwo genauere Aussagen darüber, wie dieser Tag der Offenen Tür stattfinden soll. Auf den Webseiten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gibt es keine Informationen. Kann das Gelände komplett besichtigt werden oder gibt es nur Zutritt zu dem betonierten Vorfeld des Gebäudes? Bis dahin dürfte ja der Absperrzaun stehen, der Vorfeld und Gebäude vom restlichen Gelände mit den Rollbahnen abtrennen soll.
Aber vielleicht gibt es bis dann einen Tag des Offenen Zaunes. Bis jetzt werden allerdings alle im Zaun entstehenden Löcher umgehend wieder mit neuen Zaunsegmenten zugeflickt. Dies zeigt auch das folgende Foto aus der Serie „Geflickte Zäune“ :

Geflickter Zaun an der Oderstrasse

Keiner will Columbia-Quartier

Gestern fand die Informations- und Diskussionsveranstaltung zum geplanten Columbia-Quartier auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof statt. Etwa 400 Menschen waren in der Haupthalle des Gebaüdes erschienen, überwiegend Vetreter des Bildungsbürgertums, wie auch der erste Diskussionsredner, ein Lehrer, gleich anmerkte.
In einer zu langen Präsentation wurden alle 12 ausgewählten Ergebnisse des Wettbewerbs vorgestellt. Da war dann viel die Rede von „prozessualer Stadtentwicklung“, von „Vernetzungen und Verknüpfungen“, von „Raumstrukturen und Raumgefügen“, von „Baufeldern und Baugruppen“. In den Diskussionsbeiträgen hat das wenig interessiert. Es wurde mehrfach gefordert , sich viel mehr Zeit zu lassen, ein Moratorium, eine Denkpause zu machen. Der Sinn einer Bebauung wurde bezweifelt, ihre Finanzierbarkeit. Es stünden genug Bürobauten und Wohnungen leer, die niemand braucht, während Spielplätze und Sportfelder gerade für Neukölln dringend benötigt werden. Eine Anwohnerin der Lilienthalstrasse befürchtete die Zerstörung vorhandener Wohnstrukturen, wenn manche Pläne Wirklichkeit werden sollten. Der Vorsitzende der Kleingartenkolonie zwischen Golßener Strasse und dem TIB-Sportgelände müsste ebenfalls mit dem Dichtmachen der Kolonie rechnen. In dem eher passiven Publikum war jedenfalls keine Begeisterung für die geplanten Vorhaben zu spüren.

Unter der Überschrift „Wir brauchen keinen Neubau“ wird dies in der Berliner Zeitung von heute gut zusammengefasst.

Der Wettbewerb geht jetzt in die 2.Stufe und Ende Mai soll dann ein Entwurf als Wettbewerbssieger bestimmt werden. Dann sollte wieder eine Informationsveranstaltung fällig werden. Wenn es der Verwaltung Ernst ist mit der Bürgerbeteiligung, dann fordern wir verschiedene kleine Veranstaltungen direkt in den Kiezen, damit mehr betroffene Menschen die Möglichkeit haben, ihre Meinungen einzubringen.

Die Planungswalze stoppen!

In dem Aufruf der Bürgerinitiative Nachnutzung THF wird ein zehnjähriges Moratorium (Planungspause) für die Nachnutzung des Ex-Flughafen Tempelhof gefordert:

Stoppen wir die Planungswalze der Senatsroutine!
THF – Nachnutzung nur für die Bürger, nur mit den Bürgern!

Der Flughafen Tempelhof ist keine ‚Zahnlücke‘, die rasch und dezent verbaut werden muß. Er ist eine große Chance für viele Generationen, die langjährige nachhaltige Planung erfordert.

1: Kein Verschachern des Tafelsilbers!

Die Flugfeldfläche muß langfristig in ihrer Gesamtheit im öffentlichen Besitz und im öffentlichen Zugriff bleiben. Ansonsten ist sie unwiederbringlich verloren.

2: Kein ‚Wisch und Weg‘ für die Berliner Geschichte!

Die Gesamtanlage muß langfristig als Denkmal erkennbar und wahrnehmbar bleiben.

3: Keine neue Entfremdung durch Planung von Oben!

Nur Bürgerbeteiligung schafft Identifikation und Verheimatung in der Großstadt. Eine Vielfalt von Initiativen aus der Mitte der Bevölkerung wird aus einer versperrten Fläche einen urbanen Gemeinbesitz machen, der genutzt, geschätzt und behütet wird.
(mehr…)

Columbia-Quartier – Nein Danke!

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will auf dem Ex-Flughafen am Columbiadamm gerne bauen lassen. Dazu wurde ein zweistufiger Wettbewerb ausgelobt unter dem Titel „Offener zweistufiger städtebaulich-landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb – Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld – Columbiaquartier“. Dabei wurde besonderer Wert auf „innovative Wohnformen“ und die Vernetzung mit den angrenzenden Bezirken Kreuzberg und Neukölln gelegt. 80 Vorschläge gingen ein und ab heute werden in der Abfertigungshalle die 12 ausgewählten Ergebnisse des Wettbewerbs ausgestellt.
In den Presseberichten wird sich überwiegend über die abstrusen Ideen eine Rotlichtviertels am Columbiadamm ausgelassen. Entscheidend ist eher , dass dort eine Stadtplanung nach dem Motto „Grün vernichten – Luxus errichten“ voran getrieben wird. Einige Entwürfe wollen auch die zwischen Lilienthalstr. und Columbiadamm gelegene Kleingartenkolonie und auch die Sportanlagen platt machen. Eine Bebauung an dieser Stelle würde wertvolle Grünflächen als Klimafaktor zerstören. Die wichtige Kaltluftschneise zwischen Flughafengelände und Hasenheide fiele weg.
Noch wichtiger: Wer braucht überhaupt diese Wohnungen? Wer soll da wohnen? In Berlin stehen Zehntausende von Wohnungen leer. Die geplanten Wohnquartiere sind nur erschwinglich für Leute mit Geld, für den gut verdienenden Mittelstand , die an die Phrasen von „nachhaltiger und ökologischer Stadtplanung“ glauben. Schöner Wohnen, aber nicht für Hartz IV-Empfängerinnen. Die können das nicht bezahlen. Eine gute Analyse bietet der Artikel des Mieterladen Chamissoplatz vom 15.1.2009 Tempelhofer Freiheit – Grün vernichten, Luxus errichten! auf den wir hier verweisen. Wie die drohende Zukunft für Tempelhof aussehen könnte,zeigt unter Wohnen ohne Kompromisse ein Artikel im „Freitag“ mit der Beschreibung schon existierenden „innovativer Wohnformen“.
Die Entwürfe werden in einer Ausstellung vom 20.-22.1. von 10.00-18.00 Uhr im Hauptgebäude des Flughafens Tempelhof ausgestellt. In dieser Zeit können Anregungen zur Planung des Columbiaquariers abgegeben werden. Das nennt sich dann Bürgerbeteiligung.
Und für den 22.Januar lädt Senatsbaudirektorin Lüscher „alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sehr herzlich zur Diskussion über die unterschiedlichen Stadtentwicklungsszenarien und –strategien für das Columbiaquartier ein“.
Vorstellung und Diskussion der 12 Wettbewerbsbeiträge am Donnerstag, den 22. Januar 2009 um 18.00 Uhr
Hauptgebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof




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