Archiv für November 2008

Neuköllner Entwicklungen – Rede Mietenstopp-Demo

Redebeitrag 29.11.2008 zur Demonstration gegen hohe und steigende Mieten
(von der Kiezgruppe Neukölln)

Im Reuterkiez öffnen immer mehr Kneipen und Galerien, und in die Gegend ziehen vermehrt Studierende. Immer wieder hört Mensch von Mietsteigerungen, und im Schillerpromenadenkiez regen sich mit der Stillegung des Flughafen Tempelhofs Spekulationen um eine Aufwertung des Gebiets. Stadtteilaufwertung wird dabei aber immer auch von der Politik mit initiiert.

Während es bisher kaum Daten über Mietsteigerungen oder Verdrängung von ansässiger Bevölkerung in Neukölln gibt, und das vielleicht auch bisher kein zu verallgemeinernder Prozess ist, gibt es einige Prestige-Projekte, die von Stadt und Bezirk ins Leben gerufen worden sind. Unter anderem sind das die Aktion Karl-Marx-Straße, der Campus Rütli und die Kindl-Brauerei.

Zuerst einmal zur Aktion Karl-Marx-Straße. Senat und Bezirk bedauern den angeblichen Niveauverlust der Karl-Marx-Straße, was sie stört sind die leer stehenden Gewerbeflächen und die Ramschläden. Deswegen soll die „Struktur von Handel und Dienstleistungen gestärkt werden“, die Läden mit Billigware sollen verschwinden und stattdessen „niveauvollere“ Geschäfte ihre Türen, auch für Kundschaft aus anderen Stadtteilen öffnen. Ob die Anwohner_innen sich das Einkaufen in diesen Geschäften dann allerdings noch leisten können, scheint dabei nicht zu interessieren.

Um die Karl-Marx-Straße wieder konkurrenzfähig im Wettbewerb mit anderen Einkaufszentren in Berlin zu machen, wurde Mitte diesen Jahres die „Aktion! Karl-Marx-Straße“ ins Leben gerufen.

Ein wichtiges Stichwort für dieses Aktionsbündins ist die so genannte Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Die Frage ist nur: Für wen? Schließlich wurde schon vor einiger Zeit mit diesem Argument auf dem Platz vor dem Neuköllner Rathaus ein Alkoholverbot ausgesprochen, um so gezielt bestimmte Gruppen zu verdrängen und die Nutzung des Raums auf die zu beschränken, die keinen Alkohol trinken oder sich ihr Bier im Cafe leisten können. Mensch kann also davon ausgehen, dass die so genannte Verbesserung der „Aufenthaltsqualität“ mit einer stärkeren Überwachung und Vertreibung von unerwünschten Personen einhergeht.
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Tempelhof für Alle – Rede Mietenstopp-Demo

Redebeitrag von „Tempelhof für Alle“ für „Mieten stopp !“ am 29.11.08

Seit dem 31.Oktober 2008 ist der Flughafen Tempelhof geschlossen.

Damit sind rund 4 Millionen Quadratmeter Fläche in unserer Nachbarschaft frei geworden, auf der unsere Ideen fliegen lernen können, wenn wir sie uns nicht wegnehmen lassen.

Als der Flughafen 1936 auf seine jetzige Größe erweitert wurde, wurden dafür die umliegenden Sportplätze und Kleingärten eingestampft. Auch im aktuellen stadtplanerischen Senatsprojekt „Tempelhofer Freiheit“ ist unser Wohl nicht mitgedacht, denn Freiheit ist hier kapitalistisch neoliberal definiert und damit einzig und allein die Freiheit der Konkurrenzfähigen und allzeit zur Konkurrenz Bereiten. Hier ein kleines Zitat von der Website der Senatsverwaltung als Vorgeschmack: „Mit einem so großen Gebiet von internationaler Ausstrahlung bleibt Berlin konkurrenzfähig im Standortvergleich mit anderen Metropolen.“ Im Anschluss wird die Entwicklungsfläche Tempelhofer Feld mit München Riem, den Dubliner Docklands und Aspern in Wien verglichen. Aber wer will denn schon, dass Berlin wie München wird ?!

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wünscht „das Tempelhofer Feld und die umliegenden Quartiere im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung ab 2010 weiterzuentwickeln“, denn, so Senatsbaudirektorin Lüscher: “ Die Marke „IBA“ steht für Exzellenz, für realisierte Qualität, für Imageverbesserung und internationale Aufmerksamkeit, für Leuchtturmprojekte und für Innovationen auf allen Gebieten der Stadtentwicklung.“ Außerdem ist die Rede von einer „Metropolen-IBA für Berlin, die Antworten für die kompakte europäische Stadt“ bringen soll. Aber ist denn für unsereins in der kompakten Metropole des 21.Jahrhunderts noch bezahlbarer Wohnraum innerhalb der Ringbahn vorgesehen ?!

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Demonstration gegen steigende Mieten und Verdrängung am 29.11.

Am Samstag ,den 29.11. findet in Berlin eine Demonstration gegen steigende Mieten und Verdrängung statt. Organisiert wird die Veranstaltung von einem breiten Bündnis von über 30 Gruppen, Projekten und Initiativen. Start ist um 14 Uhr an der Oberbaumbrücke in Kreuzberg. Aus Richtung Neukölln wird es eine eigene Demo geben, um sich gemeinsam zum Treffpunkt der großen Demo zu begeben.

Treffpunkt: 12.30 am Hermannplatz

Wir gehen dann voraussichtlich über Hobrechtstraße, Weserstr., Pannierstr., Glogauerstr. in die Falckensteinstrasse.

Hierzu rufen auf: Initiative Tempelhof für Alle, AK Soziale Kämpfe und Gruppen aus der Lunte.

Weitere Infos:
http://www.kreuzberg-info.de/pirati/

Kartoffeln für Alle‭ ‬auf dem Flugfeld

Eine weitere neue Idee für die Nachnutzung des ehemaligen Flughafens ist‭ entstanden.‭ ‬Winzer wollen Wein anbauen,‭ ‬aber‭ ‬für wen‭? ‬Doch wieder nur eine‭ Nutzung für Leute mit Geld,‭ ‬für die‭ „‬besseren Schichten‭“‬.‭ ‬Wir brauchen eine‭ sinnvolle Nutzung für Viele,‭ ‬für Alle.‭ ‬Das ist der Kartoffelanbau,‭ ‬was für‭ Junge und Alte,‭ ‬für‭ „‬Deutsche‭“ ‬und Migranten.‭ ‬Hier können Kinder erfahren,‭ ‬wo‭ die Pommes herkommen und Hartz IV-Empfänger können sich umsonst‭ Lebensmittel holen.‭ ‬Es geht nicht um Kommerz‭ ‬,‭ ‬sondern um gemeinsamen Anbau‭ und Ernten und die Abgabe der Kartoffeln an alle und zwar umsonst,‭ ‬auch an‭ die,‭ ‬die nicht direkt beteiligt waren.‭

In den letzten drei Jahren wurden auf einem Hof bei Templin reichlich Erfahrungen gemacht mit dem Anbau der Kartoffeln, gemeinsamer Ernte durch Leuten aus Stadt und Land, mit der nicht-kommerziellen Verteilung. Daran läßt sich anknüpfen. Zu diesen Erfahrungen erscheint Anfang Dezember eine Auswertungsbroschüre. Sie ist von allen Interessierten auf einem „Kartoffelcafe“ zusammen mit kleinen Kartoffelproben abzuholen:
7.12.2008, 15 Uhr, Reichenberger Str 63a, 2.Hof

AG Kartoffeln für Alle

PS. Es muss nicht beim Anbau von Kartoffeln bleiben, es ist vieles denkbar.

Weinberg und Konzerthalle Tempelhof

Kaum ist der Flughafen zu, sprudeln nur so die Ideen.

Am Wochenende veranstalteten 100 Winzer aus Baden-Württemberg im Hangar 2 eine Weinmesse. Dabei kamen sie auf die Idee, auf dem Flughafen Wein anzubauen. Gegenüber der Berliner Zeitung sagte der Verbandspräsident des Weinbauerverbands Württembergs e.V. : „Das Gelände würde sich gut eignen“ . Das ganze soll keine Schnaps- bzw. Weinidee sein und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist durchaus angetan. In Berlin wird ja auch schon an 6 Orten Wein angebaut. Weitere Einzelheiten bringt der Artikel Schwaben wollen Trollinger in Tempelhof anbauen aus der Berliner Zeitung.

Da kann auch der Tagesspiegel noch mal nachlegen. Am 9. November fand in der Abfertigungshalle des ehemaligen Flughafens ein Benefizkonzert im Gedenken an die Pogromnacht vor 70 Jahren statt, wo deutsche Nazis Synagogen niederbrannten, jüdische Geschäfte zerstörten und mehr als 400 Menschen ermordeten. Der Tagesspiegel-Schreiber ist von dem Konzert in der Halle so begeistert, dass er in dem Artikel Flughafen Tempelhof – die ideale Konzerthalle regelrecht ins Schwärmen gerät, vom „Schauer des Authentischen“ redet und schliesslich die Erfahrung macht: „Das Gebäude beginnt zu leben.“




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